Andreas Achenbach, Blick vom Rolandsbogen
© Sammlung RheinRomantik, Bonn.

Reisen. Ein Jahrhundert in Bewegung

Vom 09. April bis zum 06. September 2009 ist die Ausstellung „Reisen. Ein Jahrhundert in Bewegung“ im neu eröffneten Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts zu sehen. Unterschiedlichste Facetten des Reisens fügen sich innerhalb der Ausstellung zu einem Zeitbild zusammen. Im Verlauf dieses Jahrhunderts erlaubten technische Entwicklungen eine schnellere und weitläufigere Mobilität für eine wachsende Zahl von Reisenden. Weltausstellungen und Panoramenansichten luden zur Erkundung ferner Länder ein. Der aufkommende Massentourismus und die Souvenirindustrie belegen das wachsende Bedürfnis nach Reisen und deren Kommerzialisierung. Waren zunächst überwiegend junge Adlige, vermögende Bürger und Künstler für mehrere Wochen oder Monate aufgebrochen, um in der Fremde kulturelle Unterschiede kennen zu lernen, folgten ihnen einige Zeit später „Sommerfrischler“ in Scharen. Kunst und Technik spielten bei dieser Entwicklung eine entscheidende Rolle.

Rheinromantik, das Arkadien Italiens, die Suche nach dem Eigenen in der Fremde verdeutlichen auf künstlerischer Ebene das Fernweh eines Zeitalters in Bewegung. Es sind Schilderungen von Künstlern in Bildern oder in Reiseberichten, die einen ersten Eindruck von der Ferne vermitteln und Sehnsüchte aufkommen lassen, dies „mit eigenen Augen“ zu sehen. Ermöglicht wird das vermehrte Reisen in die Fremde durch revolutionäre technische Neuerungen. Zunächst sorgt die Eilpost dafür, in kürzerer Zeit an immer fernere Orte zu gelangen. Bald darauf erlaubt das sich rasch ausweitende Netz der Eisenbahnen einer breiteren Bevölkerungsschicht die Erkundung touristischer Sehenswürdigkeiten. Ausgestattet mit Reiseführern und Faltplänen werden neue Reiseziele angesteuert.

Auch in Baden-Baden wirkt sich das Phänomen der wachsenden Reisebegeisterung und Mobilität aus. Die Bäderstadt entwickelt sich innerhalb weniger Jahrzehnte zur „Sommerhauptstadt Europas“, in der sich Fürsten, Könige und Kaiser, aber auch viele Künstler treffen. Aus der kleinen Stadt am Rand des Schwarzwalds wird ein mondäner Kurort, der noch heute als touristisch beliebtes Ziel von Gästen aus aller Welt gilt, was nicht alleine auf das berühmte Casino und die Galopprennbahn in Iffezheim zurückzuführen ist.

In der Ausstellung sind unter anderem Gemälde von Andreas Achenbach, Carl Friedrich Lessing und Carl Rottmann zu sehen sowie ein Automobil aus den Bergmann-Werken in Gaggenau nach Entwürfen des Baden-Badeners Joseph Vollmer. Reisespiele, Kameras unterschiedlicher Bauarten und ein reisefähiger Phonograph Edisons bieten weitere Facetten der technischen Errungenschaften des 19. Jahrhunderts.